Zusammenrücken in der Gartenstadt

Architekt Lenkitsch fordert menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen
Architekt Lenkitsch fordert menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen

Architekt und Stadtplaner Thomas Lenkitsch aus Falkensee schlägt Gartenhäuser für Flüchtlinge vor und  fordert Investitionshilfen von der Stadt. Ein Gespräch:

 

Ein Dach überm Kopf, Schutz gegen Kälte, vielleicht noch ein Blickschutz: Auf diesen minimalen Standard wird ab Mitte Dezember das zusammenschrumpfen, was der Landkreis Havelland neu ankommenden Flüchtlingen als Unterkunft anbieten will. Der Landkreis hat bereits Mitte September drei Traglufthallen angemietet.  Nauen, Brieselang und Falkensee sind durch den Landkreis in den Blick genommen worden. Nun ist Falkenrehde im Gespräch, weil der geplante Standort in Falkensee nicht geeignet sei. Darüber hinaus gibt es aktuell Pläne für die zusätzliche Anmietung größerer leer stehender Gebäude auch in Falkensee. Eine Unterbringung in Massenunterkünften ist als Notbehelf hinnehmbar.  ->>

Auf Dauer braucht es andere Lösungen. Das meint zumindest der Falkenseer Architekt Thomas Lenkitsch: „Menschen, die zum Teil schwer traumatisiert hierher kommen, werden in Massenunterkünften untergebracht. Das geht eigentlich gar nicht“, erklärte er. „Diese Menschen müssen endlich zur Ruhe kommen können. Dazu brauchen sie nach ersten Wochen der Orientierung schnell eine eigene Wohnung.“ Der Architekt, der sich beruflich seit vielen Jahren mit Stadtplanung beschäftigt, fordert die Stadtverwaltung auf, „jetzt rasch die Weichen für ein Neubauprogramm zu stellen, damit das Provisorium Massenunterkunft keinen Tag länger als unbedingt notwendig genutzt werden muss“. Eine Stadt wie Falkensee mit 43000 Einwohnern müsse in der Lage sein, gut tausend Flüchtlinge angemessen unterzubringen, so der Planer.

Falkensee ist eine Eigenheim-Stadt. Der Großteil des Wohnbestandes besteht aus Eigenheimen, die mit 100 bis 200 Quadratmetern  Wohnfläche in der Regel auf 500 bis 1000 Quadratmeter großen Grundstücken stehen. Mit rund fünf Prozent, so schätzt Lenkitsch, sei der Anteil von  preiswerten Mietwohnungen am Wohnungsbestand viel zu gering. Insbesondere  Studenten, Senioren, Alleinlebende, junge Familien und eben auch Neubürger mit anerkanntem Flüchtlingsstatus sind an kleinen Mietwohnungen mit bis zu 60 Qm Größe aus finanziellen Gründen interessiert. 

Schlägt angesichts zahlreicher Neubürger die Stunde, in der die Stadt ihr verdichtetes Zentrum bekommt, zum Beispiel mit drei bis vierstöckigen Wohnhäusern südlich der Bahnlinie? Der 57-Jährige winkt ab. Wenn man wegen der sozialen Durchmischung den Anteil von Einwanderern an den Mietern in solchen Anlagen auf zehn Prozent beschränkt, müssten 9000 Wohnungen geplant und gebaut werden, um genügend Wohnungen zu schaffen. Solche Projekte können wegen den erforderlichen   Bebauungsplänen und der nötigen Finanzierung nicht vor fünf Jahren zu einer Linderung der Wohnungsnot führen.

„Rasche Hilfe kann es nur geben, wenn zusätzlich möglichst viele Eigenheimgrundstücke zur Lösung des Problems beitragen. „Viele Hände, flinkes Ende“ Ohne die Nachverdichtung von bestehenden Gebäuden mit zusätzlichen Wohnungen und dem dezentrale Bau von einigen hundert Gartenhäusern wird sich das Problem nicht lösen lassen,“  erläutert der Fachplaner. Die Stadt müsste sich in diesen Wochen politisch für solche Projekte aussprechen und ein entsprechendes Bürgschaftsprogramm auflegen. Der Landkreis müsste zusichern, in der nächsten Zeit entsprechende Bauanträge wohlwollend und mit der nötigen Flexibilität prüfen zu wollen. Dann, so hofft Lenkitsch, könnten sich ausreichend Eigenheimbesitzer bereitfinden, auf ihrem Grundstück eine zusätzliche Wohnung zum Beispiel in einem Gartenhaus zu errichten. Sie verschaffen sich damit Mieteinnahmen und mit der städtischen Bürgschaft werde ein solcher Bau auch für jene Bauherrn finanzierbar, die beim Bauen des eigenen Heimes an ihre Grenzen gegangen sind. Für die Dauer der Bürgschaft könne die Vermietung an Flüchtlinge auferlegt werden. Ein solches Programm würde einer Verschärfung der Mieterkonkurrenz  auf dem Wohnungsmarkt entgegenwirken.

Damit das häufig möglich wird, sollte allerdings das Garagenprivileg auch für solche Gartenhäuser anwendbar werden. Anders als Wohnhäuser dürfen Garagen direkt an der Grundstücksgrenze gebaut werden, maximal bis zu neun Metern zu einer Seite und sechs Metern zur andern Seite hin. Wenn das auch für kleine Gartenhäuser gilt, könnten über die ganze Stadt verbreitet in kurzer Zeit mehrere  hundert neue kleine Häuser entstehen. Abstriche an Dämmwerten und Brandschutz lehnt Lenkitsch dabei entschieden ab. Niemand sei mit einem Gartenhaus gedient, bei dem die Energiekosten davonlaufen.

Aber ist Wohnraum in kleinen Häusern nicht teurer als üblich? Das sei ein Problem, räumt Lenkitsch ein. Allerdings ergäben sich Kostenvorteile dadurch, dass die Versorgungsanschlüsse bereits auf dem Grundstück anlägen. Auch die Heizungsanlage des Haupthauses könne und solle für das Gartenhaus  mitgenutzt werden. Zudem gebe es neue Modulhäuser, die bei geringem Planungsaufwand an Ort und Bedürfnisse angepasste, individuelle Lösungen möglich machten. Und der grüne Charakter der Gartenstadt Falkensee, so zeigt sich der Architekt überzeugt, lasse sich durch geschickte Planung und Begrünung von Dächern und Fassaden  auch mit Häuschen in der zweiten Reihe erhalten.

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Kommentare: 5
  • #1

    Olaf (Donnerstag, 08 Oktober 2015 23:49)

    Selten solch einen realitätsfernen Schwachsinn gelesen!

  • #2

    Karl (Sonntag, 11 Oktober 2015 21:37)

    Der will ja nur Geschäfte machen

  • #3

    Wolfgang (Mittwoch, 14 Oktober 2015 14:59)

    Dann soll Hr. Lenkitsch bei sich schon mal anfangen. Ich werde mir das dann ansehen und mir seine Kosten- Nutzenrechnung einholen.

  • #4

    Berndt (Freitag, 16 Oktober 2015 12:51)

    Wie sollen denn die Wohnungen und Gartenhäuser dimensioniert sein? Die meisten der Asylbewerber sind einzeln ankommende Männer. Um diese unterzubringen werden also lediglich 1- oder maximal 2-Raum-Unterkünfte benötigt, also 9,0 x 6,0 m = 52 qm. Natürlich kann man diese irgendwie und irgendwo in Falkensee bauen, meinetwegen auch mit Zustimmung einzelner interessierter Grundbesitzer. Aber wie sieht die Situation denn aus, wenn nach einigen Monaten 3-, 4- oder 5-köpfige Familien nachgeholt werden, was mit Sicherheit zu erwarten ist? Dann reicht der Wohnraum des Erstankömmlings definitiv nicht mehr aus. Das Problem beginnt also nach kurzer Zeit von vorn. Das Konzept des Herrn erscheint mir daher als recht naiv, und beachtet in keinster Weise die soziologischen Aspekte.

  • #5

    Werner (Freitag, 16 Oktober 2015 20:39)

    Interessanter Aspekt. Zukünftige "Einliegerwohnung" für die Schwiegermutter, mit räumlicher Distanz. Gefällt mir!