Offener Dialog in Dallgow-Döberitz - Störer blieben erfolglos

Zwei Stunden lang wurde am Dienstagabend öffentlich über das Thema "Wie gelingt Integration?" debattiert. Eingeladen hatte die SPD-Bundestagsfraktion in den Saal der Tanzschule Allround in Dallgow-Döberitz. Prominentester Teilnehmer war Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). Rund 150 Menschen, darunter viele Aktive aus Willkommens- und Flüchtlingsinitiativen im Havelland, waren der Einladung der Bundestagsabgeordneten Dagmar Ziegler gefolgt.

 

Dallgow-Döberitz SPD Veranstaltung "Wie gelingt Integration?"
Podiumsdiskussion in Dallgow-Döberitz mit Dr. Karamba Diaby, Wolfgang Gall, Dagmar Ziegler, Heiko Maas, Kathleen Kunath, Klaus Gottschalk

Diaby: "Deutschland ist ein starkes Land."

Als Projektleiter des Dialogforums der SPD-Bundestagsfraktion wandte sich Dr. Karamba Diaby (SPD, MdB) mit einem Eingangsstatement an die Zuhörer. Schon nach wenigen Minuten wurde seine Rede allerdings durch Anwesende aus dem offensichtlich rechten politischen Lager gestört. Der Satz: "Deutschland ist ein starkes Land mit einer lebendigen und vielfältigen Gesellschaft" provozierte erste Zwischenrufe. Dr. Diabys freundlichen Hinweis, dass Dialog auch Zuhören bedeute und später die Möglichkeit zu Fragen und Stellungnahmen bestünde, goutierte die große Mehrheit der Zuhörer mit lautem Beifall. Beim Dialog-Forum des SPD, so Diaby, stehe die Frage im Mittelpunkt: "Brauchen wir ein neues gesellschaftliches Leitbild?" Der Bundestagsabgeordnete aus Halle (Saale), der selber aus dem Senegal stammt, lud alle dazu ein, ein solches Leitbild gemeinsam zu erarbeiten. 

 

Bundesminister Maas im Visier der Störer

Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) wandte sich vor der eigentlichen Diskussionsrunde mit einer kurzen Statement ans Auditorium. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen standen bekannte Beispiele von Orten, an denen der Zuzug von Geflüchteten für alle Bewohner große Vorteile gebracht hat. Neben neuen Arbeitsplätzen konnte z.B. in Goltzow eine Grundschule erhalten bleiben, andernorts wurde das Nahverkehrsangebot ausgebaut. Wirklich neue Aspekte oder innovative Ansätze waren aber weder vom Minister noch von den anderen Teilnehmern auf dem Podium zu vernehmen. Als Minister Maas auf Fluchtursachen und den Krieg in Syrien zu sprechen kam, wurde es erneut laut im Saal mit Zwischenrufen wie "die Bundeswehr hilft Syrien zu bombardieren". In den folgenden 90 Sekunden wurde es dann so unruhig, dass die Veranstalter von ihrem Hausrecht Gebrauch machten und die lautesten Störer zum Verlassen des Saals aufforderten. 

 

Auf dem Land funktioniert die Integration oft besser

Bei der Podiumsdiskussion stand wieder ganz das Thema des Abends im Mittelpunkt: die Integration von Flüchtlingen. Neben Minister Maas und Dr. Diaby waren Kathleen Kunath (Sprecherin der Initiative Willkommen in Falkensee), Wolfgang Gall (Sozialdezernent des Landkreises Havelland) und Klaus Gottschalk (Bürgermeister von Friesack) eingeladen. Souverän führte Dagmar Ziegler als Moderatorin durch den Abend. Die verschiedenen Statements der Podiumsteilnehmer brachten zwar kaum neue Erkenntnisse, gaben aber einen guten Überblick über den Stand der Diskussion und die aktuelle Lage aus verschiedenen Blickwinkeln. So zählte Wolfgang Gall noch einmal die vielen Probleme auf, mit denen der Landkreis und die Kommunen  in den vergangenen Monaten zu kämpfen hatten. Kathleen Kunath stellte das Positive in den Vordergrund, kritisierte aber gleichzeitig die langsamen Mühlen der Verwaltung. Besonders bei gut ausgebildeten und hochmotivierten Zuwanderern sei es sehr bedauerlich, wenn es Monate dauere bis sie wenigstens einen passenden Deutsch-Kurs beginnen könnten. Klaus Gottschalk berichtete von den sehr guten Erfahrungen in seiner kleinen Stadt Friesack. Dort ist eine relativ große Zahl von Geflüchteten untergekommen, da der Landkreis Havelland hier viele Grundstücke besitzt. Durch die eher ländliche Struktur, wo Jeder Jeden kennt, ist die Integration der Neu-Friesacker auf einem sehr guten Weg. 

 

Recht auf freie Meinungsäußerung

Während der Diskussion und bei der anschließenden Fragerunde wurde dann erkennbar, dass die anwesenden Gegner der SPD-Einwanderungspolitik sich bei ihren Störmanövern vermutlich taktisch abgesprochen hatten. Ihre Wortbeiträge lösten bei den übrigen Zuhörern allerdings nur Kopfschütteln aus. Die Veranstaltung lief also nicht aus dem Ruder, wie sich das vielleicht manche der Störer gewünscht hätten. Mit großer Besonnenheit und klaren Ansagen der Moderatorin, soviel mit viel Verständnis für das Recht auf freie Meinungsäußerung ist es den Veranstaltern gelungen, die Debatte wirklich offen zu gestalten und gleichzeitig die Inhalte nicht aus dem Blick zu verlieren.