Keine Abschiebungen in den Krieg

Afghanistan-Abend: Übersetzer der NATO-Truppen berichtete

Es ist skandalös, wie der Westen mit seinen ehemaligen Helfern in Afghanistan umgeht. Mit diesem Gefühl gingen viele Falkenseer nach Hause, die am vergangenen Sonntag zum afghanischen Abend in den interkulturellen Begegnungsraum B80 gekommen waren. Als Übersetzer für die NATO-Truppen hatte Aref Sadat, der mit seiner Familie jetzt in Falkensee lebt, bis 2015 in seiner Heimat gearbeitet. Von den Taliban war er deswegen mehrfach mit dem Tod bedroht worden, wie er an dem Abend berichtete. Aber sein Asylantrag wurde abgelehnt, weil er die Gefahr für sein Leben nicht ausreichend belegt habe, wie es in dem Ablehnungsschreiben hieß. „Das ist beschämend“, brachte es ein Besucher auf den Punkt. Aref Sadat hat Widerspruch eingelegt und will notfalls auch vor Gericht gehen. Von ganz ähnlichen Erfahrungen berichtete ein anderer junger Afghane, der ebenfalls für die NATO übersetzt hatte und dessen Asylantrag jetzt auch abgelehnt wurde. Zurück nach Afghanistan will Aref Sadat in keinem Fall. „Wir sollen für die Regierung unseren Kopf hinhalten, während die mächtigen Leute dort sich hinter dicken Mauern verstecken und ihre Familie im Ausland unterbringen“, sagte er. 

Denn eines wurde an dem Abend deutlich: Sichere Orte gibt es in Afghanistan nicht. Das hat zuletzt der Anschlag in Kabul am 31. Mai gezeigt, bei dem über 150 Menschen getötet wurde, darunter ein Wachmann der deutschen Botschaft. Die Bundesregierung hat daraufhin Abschiebungen in das Land vorübergehend ausgesetzt. Die Initiative Willkommen in Falkensee ruft dazu auf, alle Abschiebungen nach Afghanistan dauerhaft zu stoppen und den hierher Geflohenen einen gesicherten Aufenthaltsstatus zu verschaffen.

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