Ehrenamt



Frage 10:

Die Leistungen der vielen freiwilligen Helfer im Umgang mit Flüchtlingen werden zwar inzwischen von Politikern manchmal gelobt, trotzdem bleibt nicht selten der Eindruck, dass hier unentgeltlich Arbeit geleistet wird, die eigentlich staatliche Stellen übernehmen müssten. Wie stehen Sie dazu? 


Roger Lewandowski, CDU


Der enorme Zugang von Asylsuchenden und Flüchtlingen im letzten Jahr wäre ohne das Ehrenamt nur schwer zu bewältigen gewesen. Politik und Verwaltung haben al- len Grund, den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern dankbar zu sein. Allerdings darf sich die öffentliche Verwaltung nicht darauf „ausruhen“. Als Landrat werde ich darauf Wert legen, dass die Behörde ihren Aufgaben vollumfänglich nachkommt und dafür personell und sächlich ausgestattet ist.

 

Martin Gorholt, SPD


Zu einer modernen demokratischen Gesellschaft gehört eine aktive Zivilgesellschaft. Wichtige Bereiche der Gesellschaft wie der Sport oder die Freiwillige Feuerwehr leben in erster Linie von dem ehrenamtlichen Engagement. Auch in der Flüchtlingspolitik kommt es auf eine gute Zusammenarbeit verschiedener Akteure an. Dazu gehören auch Freiwillige. Ich kann nicht erkennen, daß sich hier der Staat von Dingen entledigt, die er erledigen müsste. Allerdings hat der Staat nicht alle seine Aufgaben zur vollen Zufriedenheit erledigen können.

 

Petra Budke, Bü90/DIE GRÜNEN


Es ist beeindruckend, was die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in den Willkommensinitiativen im Havelland an Arbeit und Unterstützung leisten. ... Wir Grüne haben uns im Landtag ... für mehr Sozialarbeit und eine bessere psychosoziale Versorgung eingesetzt. Das ehrenamtliche Engagement vor Ort möchte ich durch professionelle Koordination, Vernetzung und spezielle Seminar- und Beratungsangebote unterstützen. Die Kommunen müssen Räume zur Verfügung stellen, damit soziale Aktivitäten mit Geflüchteten überhaupt stattfinden können. ...

 



Harald Petzold, DIE LINKE


... Ohne die ehrenamtliche, freiwillige Arbeit der zahlreichen Willkommens-Initiativen landauf, landab wäre das Versorgungssystem schon längst zusammengebrochen. Insofern stimme ich der These zu, dass die Initiativen Aufgaben übernommen haben, die eigentlich Sache des Staates wären. ... Andererseits ist die Aufnahme von Geflohenen auch eine originäre Aufgabe der Zivilgesellschaft. Die Initiativen, die vielen Helfer_innen sind letztlich besser geeignet die Hilfesuchenden bei der Hand zu nehmen, als der pflichtbewussteste Beamte. Nur unterstützt werden sollten sie. Bei uns im Havelland liegt diesbezüglich Vieles im Argen. Das beginnt bei der Informationspolitik des Kreises und endet bei dieser unsäglichen Arroganz von Teilen der Verwaltungsspitze, alles besser wissen und alles besser machen zu können, auf niemanden hören zu müssen. Nein, Kreisverwaltung und Initiativen müssen vertrauensvoller zusammenarbeiten.

 

Kai Gersch, AfD


Das Ehrenamt ist ein wichtiger Pfeiler unserer Gesellschaft. Millionen Menschen in Deutsch- land engagieren sich für die vielfältigsten Aufgaben. Das finde ich toll. Wir müssen aber wirklich aufpassen, dass der Staat seine wesentlichen Aufgaben nicht einfach den Bürgern aufbürdet.

 

Raimond Heydt, PIRATEN


Ehrenamt verdient Anerkennung. Alles was der Staat bezahlt müssen die Bürger vorher an Steuern an den Staat abführen. Selbstverständlich sind die Gegebenheiten, besonders in Traglufthallen, mehr als grenzwertig. Mangelnde Qualität bei der Versorgung von Flüchtlingen ist eher die Regel als die Ausnahme. Der logische Schritt aus diesem Dilemma wäre es für mich einen geflüchteten Menschen die gleichen Rechte wie einem Deutschen zu gewähren, aber dafür gibt es weder in der repräsentativen Demokratie noch bei einer direktdemokratischen Abstimmung derzeit eine Mehrheit. ...