Artikel in Märkische Allgemeine Zeitung, 09.03.2016:

 

Mediziner helfen Flüchtlingen ehrenamtlich

 

Falkensee. „Das hat Ruhe reingebracht“, sagt Jamal Awag, Leiter der Notunterkunft Seegefelder Straße in Falkensee. Er meint die ehrenamtliche ärztliche Sprechstunde der Initiative Willkommen in Falkensee, die gestern zum letzten Mal stattfand. Nun wird ein angestellter Arzt des Medizinischen Dienstleistungszentrums der Havellandkliniken AG im Auftrag des Landkreises diese übernehmen.

Seit Anfang Januar hatten die Ärzte Lars Szczepanski und Rassoul Faki je einmal wöchentlich direkt in der Sammel-Unterkunft ihre Hilfe angeboten. So sahen sie in den acht Wochen etwa 240 Patienten. Mit im Team waren zwei Krankenschwestern. Logistische Unterstützung kam von der Ärztin Marion Claren-Hochfeld. Um den Neuankömmlingen nach den erschöpfenden Strapazen der Flucht medizinische Hilfe anzubieten, hatten sich die ehrenamtlichen Teams formiert. Seit Eröffnung der Notunterkunft im ehemaligen Möbelhauses Agon Mitte November letzten Jahres hatte es zahlreiche Rettungsdienst-Einsätze gegeben. Die ehrenamtliche Sprechstunde half dabei, diese sehr kostspieligen und häufig medizinisch nicht notwendigen Einsätze zu minimieren. Medikamentenspenden kamen von Apotheken, Kirchengemeinden und Einzelpersonen. Auch durch das Sozialamt wurden Materialien und Medikamente finanziert.

Die AG Medizin in der Falkenseer Willkommensinitiative will sich nun auf Impfungen konzentrieren. Bereits Mitte Dezember war eine Grippe-Reihenimpfaktion gut an- genommen worden. Insbesondere der Impfschutz gegen Masern, Röteln und Windpocken stehe auf der Agenda. „Diese Impfungen haben Priorität, sowohl zum Schutz der Geflüchteten, als auch für die übrige Bevölkerung. Leider ist vom Landkreis bisher keine Aktivität in dieser Richtung zu verzeichnen“, sagt Knut Horst, Sprecher und Koordinator der Medizin AG in der Initiative. In Spandau sind routinemäßig Impfungen in Notunterkünften direkt bei der Ankunft seit Anfang 2015 üblich.